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Powell

Schnupperdoggie

  • »Powell« ist der Autor dieses Themas

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1

Dienstag, 21. März 2017, 23:22

Futtermarken bei Nass- und Trockenfutter: Welches sind die Besten?

Hallo Zusammen



Ein Hundeanfänger hat mal wieder viele Fragen :)

Durch viele Forenbeiträge, Infoseiten und Diskussionen durchgelesen, habe ich den Eindruck erhalten, dass Barfen das einzig Richtige, Gesunde und Vertretbare für Hunde ist, und Nass- oder Trockenfutter einer Fütterung mit Gift und Tierquälerei gleichkommt... (nicht hauen, lasse mich gerne mit Infos vollprasseln)

Mich würde mal wirklich wundernehmen:



Wie gross sind die Unterschiede im gekauften Futter?

WElche Futtersorten füttert ihr und warum?


Welche Futtersorten empfehlt ihr und warum?



Aus zeitlichen Gründen und da zu wenig Erfahrung kann und will ich einen Hund nicht barfen.
Stelle mir allerdings eine Art Mixform vor: Grundfutter ist Nassfutter und Trockenfutter, dazu 1-2 Mal pro Woche Hüttenkäse, abgestimmte Öle , pürierte Früchte- und Gemüseportionen (kann ich nebenbei machen wenn ich für mich was mache) und gekochte oder rohe Fleischportionen, wenn von uns was abfällt. So als Sahnehäubchen auf der Trockenfuttertorte :d



Infos, Meinungen?

Magira

Schnupperdoggie

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2

Mittwoch, 22. März 2017, 01:19

Mit drei Hunden, mit unterschiedlichen Ansprüchen an Futter, kann ich dir sagen es gibt nicht "DAS" Futter. So eben hab ich eine neue Marke getestet, wurde mir empfohlen speziell für unsere Kranke Seniorin. Fazit? Ihr geht es damit schlechter und alle drei Hunde stinken erbärmlich. Dem Hund einer Freundin, der die selben Probleme hat wie meine Seniorin, gehts wunderbar und ihre Hunde stinken nicht.

Wie gross sind die Unterschiede im gekauften Futter?
Je nach Sorte sehr gross, gibt aber auch Marken/Sorten die sich sehr ähnlich sind, z.b. Wolfsblut, Acana und Orijen oder in die andere Richtung Pedigree und Matzinger.

Welche Futtersorten füttert ihr und warum?
Überzeugt haben mich bis jetzt Happy Dog Africa, Bozita Naturals Grain Free.
Beide Sorten vertragen alle drei Hunde recht gut, Preis/Leistung stimmt und es hat nicht zu viel Energie Anteil,
da wir eher die unsportlichen sind.

Welche Futtersorten empfehlt ihr und warum?

Alles was einem Mindestmass an "gesund" entspricht und es dem Hund damit gut geht.
Es gibt da ein paar Marken die haben mir ein zu Hohen Proteingehalt und manche die haben mir schlichtweg zu viel Müll drin
Dazwischen ist aber eine echt enorm RIESIGE Spanne an Marken/Sorten, dass es unmöglich ist alle aufzuzählen die ich Bereit wäre zu füttern
sofern es meinem Hund damit gut geht :)
Was bei mir noch dazu kommt, wenn ich die "Qual der Wahl" habe, achte ich noch auf die Herkunft vom Futter, welche ethischen Aspekte stehen hinter der Marke, wie und wo wird es produziert, welche Geschmacksstoffe, Zusatzstoffe und co sind enthalten und warum. Das ist mir einfach persönlich wichtig. Weswegen ich sehr gerne Defu gefüttert hätte, nur leider fand das bei der Seniorin ihrem Magen keinen Anklang :( Wiederum versuche ich Hills, Eukanuba und co, die bekannt sind für Massenhaft Tierversüche, zu vermeiden und füttere ich nur bei sehr akuter Krankheit. (Hills hat teilweise speziell Medizinisches Futter)
Es grüsst

Bluenote

Admindoggie

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3

Mittwoch, 22. März 2017, 07:39

Bei meinem ersten Hund, den ich als Teenie bekommen habe, gab's Trockenfutter von Biomill. Damals war es mir noch völlig egal, was mein Hund frisst, ob viel Getreide drin oder nicht...Hauptsache er frisst und der Output stimmt. Bei den nachfolgenden Hunden habe ich begonnen, mir mehr Gedanken zu machen und habe dann auf Futter gewechselt, das mir von der Zusammensetzung her geeignet erschien. Meine Border Terrier-Hündin war Getreide-Allergikerin, darum bin ich dann auf getreidefreies Füttern umgestiegen. Dabei bin ich beim Wolfsblut gelandet.

Dann habe ich das Barfen voll für meine Hunde entdeckt, habe mich richtig damit befasst und dann und über längere Zeit wirklich nur noch so gefüttert. Auch heute noch gefällt mir diese frische Rohfütterung sehr. Ich bin aber inzwischen bei einer zwanglosen, lockeren Mischfütterung angelangt und habe das Gefühl, nun "endlich angekommen" zu sein. ;)

So habe ich immer Fleisch im Tiefkühler, um frische Mahlzeiten zubereiten zu können, ich habe jeweils ein Trockenfutter und Nassfutter zu Hause. Und wechsle nun ab, da meine Hündin alles problemlos verträgt. Meistens gibt's morgens TroFu und abends entweder Nass- oder Frischfutter. Auf Campingreisen gibt's TroFu, in Ferienhäusern TroFu und Nassfutter...und so kann ich nun je nach Situation so füttern, dass es passt und Shirin mag die Abwechslung und eben, verträgt alles tiptop. :smile:
Das TroFu gibt's mal trocken, mal angefeuchtet, mal eingeweicht...im Nassfutter hat's mal ein Ei drin oder eine übrig gebliebene Kartoffel von meinem Znacht...wie's halt kommt.

Meine Kriterien für ein Futter, das für mich stimmt, sind eigentlich die gleichen wie bei Magira. Worauf ich jetzt wirklich achte, ist getreidefrei zu füttern. Ich finde einfach, es ist nicht notwendig für unsere Hunde und seit meinem Allergikerhund ist es irgendwie auch normal geworden, kein Getreide mehr zu füttern.

Ich habe jetzt gerade den 15kg-Sack Wolfsblut leer, welcher bei meinem 12kg-Hund sehr lange gereicht hat. Nun habe ich mir mal 4kg Real Nature Wilderness geholt, weil mich das Futter auch interessiert und ich sehen möchte, ob Shirin das genau so gut verträgt. Ausserdem habe ich neues Nassfutter bestellt, von HerzsensHund, mit Schaf drin, mal gucken. Oft bestelle ich das Nassfutter von Hermann's und Wolfsblut.

Mir ist für mich persönlich wichtig, dass mein Hund kein "spezialisierter Fresser" wird und nur das eine, ganz bestimmte Futter frisst. Ich find's super praktisch, wenn ich abwechseln kann und habe das Gefühl, es passt auch dem Hund, wenn er nicht jeden Tag zwei Mal "nur" seine paar trockenen Körner im Napf hat. Ich habe das Glück, dass sie das verträgt, wenn ein Hund damit Mühe hat, dann geht's nicht, klar.

Was ich einfach echt nicht mehr füttern kann, jedenfalls nicht auf lange Sicht und regelmässig, ist Billigfutter mit Getreide an erster Stelle und 4% "Fleisch" und tierischen Nebenerzeugnissen und null Frischfleisch drin, mit viel Geschmacksvertärkern und Konservierungsmitteln und so. Das schaff ich einfach nicht mehr. :d

Jaaaaaa. Die Futterfrage. Endloses Thema. ;)
And when the time comes, remember that dogs never die. They are sleeping in your heart.

Vaku

Schnupperdoggie

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4

Mittwoch, 22. März 2017, 08:13

Das Futter und wie man füttert ist in den lezten Jahren wohl zu einem absoluten Streittehma unter Tierhaltern geworden und ist teilweise hochemotional.

Ich bin da vielleicht weniger emotional, weil ich keinen Hund habe, aber ich habe in einem Tierfutterwerk gearbeitet, die Nassfutter für die Supermärkte und Markenhersteller herstellen.
Ich weiss also ein wenig über die Hintergründe der Futtermittelindustrie:


Man unterscheidet bei Tierfuttern zwischen Einzelfuttermittel und Alleinfuttermittel. Einzelfuttermittel sind z.B. Leckerlis oder Rohstoffe - können dem Tier gegeben werden, sind aber ernährungstechnisch nicht so gesund, dass man das Tier ausschliesslich davon ernähren könnte.
Ein Alleinfuttermittel ist das uns bekannte Alltagsfutter. Dies muss so hergestellt werden, dass ein Tier ein leben Lang, ein und das selbe Futter, bekommt und trotzdem keine Mängelerscheinungen oder gesundheitliche Probleme (vom Futter) bekommt.
Wie so ein Alleinfuttermittel auszusehen hat bzgl Energie, Nährwerte, Minaralstoffe, Spurenelemte und Vitamine muss nach europäischem Gesetzt den aktuell anerkanntem wissenschaftlichen Stand entsprechen.
In Europa kümmert sich darum die FEDIAF, in den USA die FDA usw.. Sie geben Empfehlungen raus, wie grundsätzlich ein Tierfutter auszusehen hat. Die Rezeptur selbst geben sie natürlich nicht vor.

Die Rezepturen werden dann von den entsprechenden Herstellern zusammengesetzt. Da kommt dann auch nicht jeder Mist rein, wie oft genug in irgendwelchen Blogs erzählt wird, sondern es ist ganz genau nach EU-Recht geregelt, was in ein Tierfutter rein darf, nämlich ausschliesslich Rohstoffe die auch ein Einzelfuttermittel sind. Was ein Einzelfuttermittel ist, wird im EU-Recht (da gibt es eine Positivliste) festgelegt, die ist frei zugänglich und man kann sie sich jederzeit angucken. Tierfutter ist dahingehend stärker überwacht als die Lebensmittelindustrie!

Es gibt, natürlich, wie in den Lebensmittelindustrie schwarze Schafe, die doch jeden Mist reinschmeissen. Aber ich hoffe das ist eher die Ausnahme als die Regel.
Die Werke werden mehrmals jährlich kontrolliert, sowohl vom Veterinäramt, vom den Kunden (als den Supermärkten) und von unabhängigen Auditoren (BRC und IFS (Lebensmittelstandard)).


Werden in Euopa bei Stiftung Warentest oder sonst wo Tierfutteranalysen durchgeführt wird das zu 99 % auf Grundlage der FEDIAF gemacht und weil gerade die "Billigfutterhersteller" oder "Big Brands"-Hersteller das wissen, achten sie penibel darauf, dass sie innerhalb der Grenzen dieser Fediafempfehlung liegen. Die grossen Supermarktketten machen nämlich extremen Druck auf die Hersteller, wenn ihre Produkte nicht Top in den Vergleichslisten sind (da wird man schnell mal ausgelistet). Daher werden jährlich mehrere 100 Proben zur Analyse an Labore gesendet, wowohl Rohstoffe als auch Endprodukt.

Das ist erst mal der Hintergrund nach welchen kriterien Futter hergstellt wird.

Das alleine sagt aber nichts über die Qualität und des Futters selbst aus und da fangen jetzt an die Geister sich zu scheiden, besonders im Trockenfutterbereich:

Viele Trockenfutter, sind zwar nach Analyse super innerhalb der Nährwertvorgaben, enthalten aber viel Getreide. Das ist jetzt nicht grundsätlich schädlich für das Tier, aber naja... ist halt wie Tütensuppe.
Eine gute selbst aufgesetzte Hühnerbrühe ist halt was anderes als eine Instentsuppe.

Bei Trockenfutter sehe ich persönlich 3 grosse Baustellen:
  1. Getreide als Hauptbestandteil
  2. Verwendung von Tiermehlen
  3. Verwendung von Akzeptanzmittel (sogennanten Digest) - Geschmacksverstärker nach Lebensmittelrecht sind im Tierfutter keine, die sind nicht erlaubt, dass heisst aber nicht das man nicht Rohstoffe zuführen darf, die den Geschmack beeinflussen, z.B: Bierhefe oder Digest (nur halt keine künstl. Aromen)
Hier unterscheiden sich dann die guten Futter von den schlechten Futtern.


Bei Nassfutter gilt das ähnlich, obwohl hier die Qulitätsunterschiede meiner Meinung nach geringer ausfallen.
Hier kommt es sehr auf die Rohstoffauswahl drauf an. Damit meine ich aber nicht die Qualität vom Fleisch, die sollte bei allen etwa gleich sein (das ist Lebensmittelqualität was heute in Mitteleuopa als Tierfutter verarbeitet werden!), sondern ob man z.B. doch Tiermehle reinschmeisst (sollte ein guter Nassfutterhersteller nicht tun) oder z.B. Darm verfüttere (Darm stinkt einfach, dass Zeug geht einfach gar nicht - einige Hersteller benutzten es dennoch) und natürlich wie wird vor Ort gearbeitet (werden die Kühlketten eingehalten, Standzeiten, Umgang mit dem Produkt usw.).

Akzeptanzmittel werden in Nassfutter nicht verwendet, die würden das autoklavieren des Futters gar nicht überleben.
Ich frge mich manchmal woher die Schauermärchen stammen was so im Tierfutter drin sein soll? Vielleicht stammt das noch von vor 20 Jahren, oder so.
Aber heute, zumind. da wo ich gearbeitet habe, wird alles streng geprüft und ausschliesslich Lebensmittelqualität verarbeitet.

Das Problem der Futtermittelindustrie ist, glaube ich, noch immer das Deklarationsproblem. Viele machen nur das gesetzliche Minimum und das sieht schon ein wenig "Ominös" aus, weil nicht viel drin/drauf steht.
Wenn da z.B. steht: Fleisch- und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Ente), dann bedeutet das nicht, dass da nur 4 % Fleisch drin sind, sondern die geschmacksgebende Komponente, ist die Ente, und davon ist mind. 4 % drin. Der Rest ist Schwein, Huhn und/oder Rind (halt aufgefüllt bis zu dem Verhältnis Fleisch / Gemüse / Sonstige)



Bei BARF hast du die 100% Kontrolle über all diese Dinge. Allerdings kann man bei BARF auch viel falsch machen und im schlimsten Fall, kann es zu Mangelernährung oder Überdosierung von Nährstoffen beim Tier kommen. Mit Barf muss man sich beschäfftigen, dass kann man nicht so nebenbei betreiben.

Mir persönlich wäre BARF zu aufwendig. Da suchen ich lieber nach einem guten Nass- oder Trockenfutter. Es gibt ja inzwischen so viel Auswahl, dass man das nehmen kann, was man mit guten Gewissen vertretten kann und das auch dem Hund passt (z.B: Verträglichkeit, Fell und Output)

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Vaku« (22. März 2017, 08:40) aus folgendem Grund: Formatierung und Rechtschreibfehler


Bluenote

Admindoggie

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5

Mittwoch, 22. März 2017, 08:25

Danke für diesen informativen Text! :super:
And when the time comes, remember that dogs never die. They are sleeping in your heart.

Schneeflocken

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6

Mittwoch, 22. März 2017, 09:17

Ich hatte grad gestern ein Gespräch mit einem Hundefutter-Hersteller und er meinte, es gäbe eigentlich kein schlechtes Trockenfutter, egal welche Marke. Es gäbe nur je nach Hund schlechte Futter. Ganz einig bin ich nicht mit ihm, aber grundsätzlich ist seine Aussage wohl nicht so falsch, wenn ich Vakus' Ausführungen lese (danke dafür, das ist super!).

Dazu habe ich gleich noch eine Frage @Vaku:
Was ist nun wirklich der Unterschied zwischen Tiermehl und Tierfleischmehl? Im Internet finde ich ich verschiedene Aussagen dazu....
Und warum siehst du die Verwendung von Tiermehl als Baustelle?

Verbringe nicht so viel Zeit mit der Suche nach einem Hindernis.
Es könnte sein, dass keines da ist.

Vaku

Schnupperdoggie

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7

Mittwoch, 22. März 2017, 10:08

:gruebel1:

Also man muss bei Mehlen schon unterscheiden ob es sich dabei um Trockenmehl, also das Fleisch vorher getrocknet wurde und dann gemahlen oder ob es sich dabei um" Tiermehl" zur Verwertung von Schlacht und Industrieabfällen handelt.
Bei ersterem sehe ich keine Bedenken, da das wahrscheinlich in einem sehr kleinen Rahmen und Chargen gemacht wird, letztes sind riessige Industrieanlagen.

Das Problem dabei ist nicht das Tiermehl selbst: Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass Tiermehl negative Einfluss auf Haustiere hat, solange es korrekt hergestell worden ist.
So ist damals die BSE-Kriese entstanden, da haben nämlich einige Hersteller beim Prozess geschludert (bzw. es gab in einigen Ländern keine geregelten Vorgaben) und die BSE-Erreger haben überlebt. Heute wird das zum Glück viel stänger überwacht, besonders durch Veterinäramt und es gibt eine Liste unter welchen Bedingungen (Temp./ Druck / Zeit) man Tiermehle herstellen muss.
Ich denke nicht, das Tiermehl ansich ein grundsätzlich schlechtes Produkt ist.

Das Problem sehe ich eher an anderer Stelle. Dafür muss ich etwas ausholen:
Tiermehl besteht aus 100 % Schlachtnebenprodukten (sogennates: Material der Kategorie 3). Das sind "Abfälle" aus der Schlacht- und Metzgereiindustrie. Das sind Bestandteile die zB der Veterinär bei der Fleischbeschauung abschneidet oder der Metzger innerhalb seines Zerlegeprozesses. Teilweise auch Organe oder Fleisch die für einfach zu viel sind (sich nicht verkaufen lassen) oder nicht gegessen werden vom Mensch (z.B. Hoden, Eierstöcke oder was auch immer). Für die Metzger sind das "Abfälle". Meist gibt es da ein Loch in der Schlachtbank oder auf dem Boden, wo in der Akkordarbeit der Abfall einfach herunter geschmissen wird.
Und genau hier passiert der qualitätive Mängel:
Da fliegt halt nicht nur "Fleisch" und "Knochen" runter. In der Lebensmittelindustrie wird hauptsächlich auf Kunstsoffschneidebrettern gearbeitet. Die Messer sind extrem Scharf und da wird auch mal ein Stück Kunstoff abgeschnitten vom Brett, dass landet dann auch mal gerne im Loch oder ein Messergriff bricht und ein Teil fällt runter. oder Folienstückchen. Ist noch Metall dran, sortiert der Metalldetektor aus, wenn nicht kann noch kein Detektor dieses Welt diese Kunstoffteilchen auffinden. Auch kleinere Steinchen sind verlieren sich da mal gerne.
In der Lebensmittelindustrie wird heute hauptsächlich mit blau und grünem Kunststoff gearbeitet und der einzige Grund dafür ist, dass man die Fremdkörper schnell optisch sieht!

Dies Produkt wird dann unvorsortiert in die Tiermehlherstellungsanlagen gegeben, da wird nicht mehr per Auge kontrolliert oder gesiebt.
Du bekommst dann am Ende ein Produkt mit ganz kleinen Kunststoffpartikeln. (Einigen TF-Herstellern ist das egal, weil die ihr Produkt vor dem Extrudieren noch mal mahlen in einer Mühle, da wird der Kunsstoff einfach so verkleinert, dass er optisch nicht mehr sichtbar ist).
Wir haben aus ganz Europa Tiermehle bekommen, und nein, es gibt da keine Ausnahme, von angeblicher Premiumqualität bis hin zu Osteuropa. Das Zeug war immer gleich schlecht verarbeitet.
Ich habe massenhaft Tiermehl wegen Fremdpartikeln zurück senden lassen und weil ich das weiss, möchte ich meinem Tier kein Tiermehl verfüttern.



Bzgl der Frage Tiermehl und Tierfleischmehl:
Bei der Herstellung gibt es da keinen Unterschied und nach EU-Recht gibt es da auch keinen.
Wenn es dich ganz stark interessiert müsste ich bei der Veterinärin nachfragen, die bei meinem Exarbeitgeber die Kontrollen bzgl Futtermittelrecht macht.
Ich vermute mal, Tiermehl = mit Knochenanteil , Tierfleischmehl = ohne Knochen. Das bei letztem nur Fleisch verwendet wird, kann ich mir nicht vorstellen, ich denke eher Fleisch, Fett und Innereien.
Wir haben bei uns unterschieden zwischen: Knochenmehl (hoher Calciumanteil, weil Hauptbestandteil Knochen), Federmehl (Bestandteil Hühnerfedern) ,Fleischmehle (alle anderen Erzeugnisse ohne hohen Knochenanteil) und Gribenmehl (Fett).


Edit: Ich möchte noch einmal anmerken, dass sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und Meinung. Ich bin kein Experte im Futtermittelrecht, keine Veterinärin oder Ernährungswissenschaftlerin für Heimtiernahrung.
Ich kann ausschliesslich von meiner Erfahrung in dem Betrieb berichten und was ich dort so mitbekommen habe.

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Vaku« (22. März 2017, 10:18) aus folgendem Grund: Entschuldigt die Rechtschreibfehler!


Anne

Moderatordoggie

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8

Mittwoch, 22. März 2017, 12:34

Vaku, herzlichen Dank für deine sehr informativen Inputs zu diesem Thema! :good:
We think it's a dog's inalienable right to get dirty.

MG1393

Schnupperdoggie

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9

Mittwoch, 22. März 2017, 12:50

Danke Vaku, echt tolle Inputs und sehr interessant :good:

Powell

Schnupperdoggie

  • »Powell« ist der Autor dieses Themas

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10

Mittwoch, 22. März 2017, 13:26

Wow, das ist so ziemlich das Informativste und Klarste was ich bis jetzt überhaupt zum Thema Futter gelesen habe...!!!

Genau solche "Hintergrundinformationen" habe ich gesucht, tausend Dank Vaku!!! *herz3*

Schneeflocken

Sportdoggie

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11

Mittwoch, 22. März 2017, 14:00

Herzlichen Dank für deine Einblicke, Vaku!

Mich interessiert, ob diese Aussage:
Geflügelmehl: KEIN Fleisch, sondern Geflügelschlachtnebenprodukten (alles vom Huhn was kein Fleisch ist u. a. auch Federn, Klauen, Schnäbel).
Geflügelfleischmehl: reines Fleisch nach dem Trocknen
(Quelle)
so stimmt. Nach deinen Ausführungen nicht, wenn ich dich richtig verstanden habe.

Und wie erkenne ich, ob es sich um Trockenmehl oder Tiermehl handelt? (Bezieht sich auf dein Abschnitt "Also man muss bei Mehlen schon unterscheiden ob es sich dabei um Trockenmehl, also das Fleisch vorher getrocknet wurde und dann gemahlen oder ob es sich dabei um" Tiermehl" zur Verwertung von Schlacht und Industrieabfällen handelt.
Bei ersterem sehe ich keine Bedenken, da das wahrscheinlich in einem sehr kleinen Rahmen und Chargen gemacht wird, letztes sind riessige Industrieanlagen.")
Muss das genau so auf der Verpackung deklariert werden?

Verbringe nicht so viel Zeit mit der Suche nach einem Hindernis.
Es könnte sein, dass keines da ist.

Vaku

Schnupperdoggie

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12

Mittwoch, 22. März 2017, 15:04

Mich interessiert, ob diese Aussage:
Geflügelmehl: KEIN Fleisch, sondern Geflügelschlachtnebenprodukten (alles vom Huhn was kein Fleisch ist u. a. auch Federn, Klauen, Schnäbel).
Geflügelfleischmehl: reines Fleisch nach dem Trocknen
(Quelle) so stimmt. Nach deinen Ausführungen nicht, wenn ich dich richtig verstanden habe.
Also das stimmt 100% nicht. Wir hatten Geflügelfleischmehl im Haus (war vom grösste Geflügelmehlhersteller in Dland) und das ist eindeutig auch normales Tiermehl gewesen. Geflügelfleischmehl ist kein geschützter Begriff für eine bestimmte Herstellungsform oder Rohstoff. Theoretisch kann bei beiden alles drin sein.


Zudem muss ich ehrlich sagen, ich bin mit dem Zusatz "getrocknet" nicht so ganz glücklich. :gruebel1:
Ich vermute es kann sich dabei um gemahlenes Trockenfleisch handeln. Muss es aber nicht. Eigentlich ist es ökologisch und finanziell eine selten dämlich Sache ein Stück Fleisch zu trocknen (das ist nämlich energetisch
sehr aufwendig), anschliessend zu mahlen und dann Kaltzupressen oder Extrudieren. Kaltpressen kann man auch mit Frischfleisch. Ok im Extruder lassen sich Mehle besser verarbeiten.
Aber wie du merkst, so ganz glücklich bin ich nicht und sicher erst gar nicht.
Zudem wird bei der klassichen Tiermehlherstellung auch, erhitzt, gepresst und getrocknet....

Wie du siehst ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt Tiermehl aus getrocknetem Fleisch wirklich gibt (wir hatten so was nicht).

Vaku

Schnupperdoggie

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13

Mittwoch, 22. März 2017, 15:09

Musste 2 Beiträge draus machen - er hat gemeckert zu lang :peinlich: :

Zitat

Und wie erkenne ich, ob es sich um Trockenmehl oder Tiermehl handelt?
Muss das genau so auf der Verpackung deklariert werden?
Das ist Deklarationsrecht und so gar nicht mein Fachgebiet gewesen :wacko:, das Feld ist hochkomzplizeirt.
Das ist jetzt absolutes Halbwissen von mir und was ich aus der Zeit noch weiss:

Es gibt bestimmte Kategorien die man Deklarieren muss (Bsp. aus dem deutschen Futtermittelgesetzt):

siehe Anhang

Tiermehl ist ja ein tierisches Produkt und entsprechend kann man sagen, dass man es unter "Fleisch- und tierische Nebenerzeugnisse" deklarieren kann. Es muss entsprechend nicht direkt auf der Verpackung stehen. Das heisst aber nicht, dass Produkte die so deklariert wird Tiermehl rein kommt.
Die ganz klare Aussage ist also, nein müssen sie nicht. Sie können es aber.

Das ganze ist wie gesagt hoch Komplex. Die Hersteller sind aber verpflichtet bei Anfrage auskunft zu geben. Dh. wenn du dir sicher sein möchtest, dass dein Tierfutter kein Tiermehl enthält musst du beim Hersteller anfragen. (Die Rezeptur müssen sie aber nicht rausgeben ;) ).
»Vaku« hat folgende Datei angehängt:

Schneeflocken

Sportdoggie

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14

Donnerstag, 23. März 2017, 08:57

Danke dir vielmals Vaku! :good:

Verbringe nicht so viel Zeit mit der Suche nach einem Hindernis.
Es könnte sein, dass keines da ist.

Vaku

Schnupperdoggie

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15

Donnerstag, 23. März 2017, 09:50

:/dank:/ für die "Danke".

Ich hätte gar nicht gedacht, dass das so interessiert aufgenommen wird :peinlich:.

Wenn jmd noch Fragen dazu hat, kann er gerne Fragen. Es ist halt alles eher theoretisch und die Gesetzesgebund und Vorschriften über Tierfutterherstellung, eher weniger über die Qualität.



@Schneeflocke: Die Liste die du verlinkt hast, habe ich mir mal etwas genauer angesehen. Die Aufstellung an sich finde ich ja top, dass sich jmd da die Mühe macht, aber die ist schon eher negativ ausgelegt :pinch:. Klar ist nicht jeder Tierfutterhersteller ein Lämmli, aber es ist auch nicht jeder ein Verbrecher und schmeisst in Tierfutter einfach nur noch Abfall rein (so klingt es ein wenig auf der Seite).

(Früher muss das wirklich ganz schlimm gewesen sein und da wurde wirklich viel Müll reingeschmissen. In den letzten 20 Jahren hat sich da aber viel geändert. )

Nickquenim

Alphadoggie

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16

Samstag, 25. März 2017, 06:43

Sehr interessant Vaku, dankeschön!

Tiesto Lunar

Streunerdoggie

Beiträge: 358

Doggie(s): Rottweiler

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17

Samstag, 25. März 2017, 09:51

Habe vorhin im net ein beitrag gesehen von tomme hanken, der züchtete ja auch deutsche doggen, da meinte er mit trockenfutter leben sie nicht so lange vlt 7-8 jahre. Er habe seine DD mit fleisch und sonstigen nicht gährenden lebensmittel gefüttert, so leben sie viel länger...
Meint ihr dass es wirklich so ist? Das hunde ohne trockenfutter länger leben?

cindy

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Beruf: Hausfrau, Randstundenbetreuungsperson in der Schule

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18

Samstag, 25. März 2017, 10:31

Zitat

Meint ihr dass es wirklich so ist? Das hunde ohne trockenfutter länger leben?


Also ich kann nur von meiner Erfahrung reden. Meine erste Hündin (Cockerspaniel) hat NUR Trockenfuter (Matzinger) bekommen und sie lebte 14 Jahre und 3 Monate.
Also ich denke das ist eine Quatsch aussage, das Hunde ohne Trockenfutter länger leben.
LG Vreni mit Charly und Cindy für immer im Herzen :0herzsm0:

Foto Homepage tier-natur-foto

catba

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Wohnort: Geuensee (LU)

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19

Samstag, 25. März 2017, 11:23

ist sicher Quatsch...mein Tamme Hanken sind natürlich auch Hunde, die irgend welche Probleme haben und dann sollte man das Futter sicher anpassen...ich denke so war das gemeint...ich bin in letzter Zeit viel mit der Thematik Futter beschäftigt gewesen und ich bin zum Schluss gekommen, dass es nicht "das beste Futter" bzw die beste Fütterungsart gibt, sondern, dass man jeden Hund individuell nach seinen Bedürfnissen füttern muss...zum ersten mal habe ich auch gemerkt, dass barfen nicht immer unbedingt das Beste sein muss, gerade wenn es um eine Krankheit geht...wenn eine Krankheit futtertechnisch Unterstützung braucht, kommt man mit dem "einfachen Wissen" nicht weit, da braucht es schon mehr, um auch alles richtig...