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Anne

Moderatordoggie

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61

Dienstag, 27. Juni 2017, 14:05

Nur ein kurzer Einwurf zu Strafe:

Das bewerfen mit den Schellen als Korrektur von unerwünschtem Verhalten (sich aus der Fuss-Position entfernen) ist lerntheoretisch positive Bestrafung = es wird dem Hund direkt etwas schlechtes zugeführt, um ihm ein Verhalten (das Weggehen) zu verleiden.

Das Einschränken durch stehen auf die Schleppleine ist negative Bestrafung = Es wird dem Hund etwas Gutes (die Bewegungsfreiheit) entzogen, um ihm ein Verhalten zu verleiden.
(Wird diese Einschränkung mit einem Ruck an der Leine verbunden, ist es natürlich wieder etwas anderes.)

Beides in dem Sinne also Bestrafung, wobei für mich zweiteres wesentlich harmloser ist als die direkte Zuführung von Schmerzen / Schreck / Stress, wie das bei den Schellen im obigen Beispiel passiert (und meiner Meinung nach auch bei den Kieselsteinen aus Bolottas Beispiel, in der Hundeschule wäre ich zum letzen Mal gewesen).

Ansonsten schliesse ich mich der vielgeäusserten Meinung hier an, wäre für mich auch kein geeigneter Aufbau und ich seh auch nicht, wieso mein Hund im Alltag im UO Fuss zu laufen hätte. Im Übrigen ist es mir auch lieber, wenn mein Hund die Umgebung wahrnimmt aber aktiv beschliesst, dass man da nicht hinzugehen braucht (Beispiel: Ich will einen Hund, der eine Katze gesehen hat, aber sauber daran vorbeilaufen kann, nicht einen Hund, der die Katze gar nicht erst sieht, weil er im UO-Fuss läuft).
We think it's a dog's inalienable right to get dirty.

Vaku

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62

Dienstag, 27. Juni 2017, 15:07

Danke Anne noch mal für die Erklärung bzgl der Einteilung der "Bestrafung". Du hattest schon mal von diesen Formen gesprochen.
Hast du für ich vielleicht einen Literaturtipp dahingehend?
ich seh auch nicht, wieso mein Hund im Alltag im UO Fuss zu laufen hätte
Ich kann nicht sagen warum sie das tun, ich weiss nur das sie es aktuell trainieren :noidea: , habe auch nicht nachgefragt.
Sie erhoffen sich wohl dadurch, dass er weniger Leinenaggression (+ Beschützermodus) zeigt, weil er nicht auf fremde Hunde achtet. Und es eh viel cooler ist den Hund unangeleint zu führen :rolleyes: ....

Ich glaube nicht das das aufgeht, aber ich muss den Hund auch nicht führen :whistling: ....


UO Fuss bietet mir Alma von sich aus gerne an, ich stopf dann als Bestätigung immer noch ein Gutzli rein und sag das Kommando. Aber ich benutze das ausschliesslich im "Arbeitsmodus" und habe nicht vor, das im Alltag zu nutzen.

Lagotto

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63

Dienstag, 27. Juni 2017, 16:01

Ich glaube, dass die Leinenagression und überhaupt die Agression anderen Hunden gegenüber durch diese Schellen- Aktion nur verstärkt wird. So lernt der Hund bestimmt nicht, andere Hunde zu "lesen" und zu verstehen, dass er nicht agieren muss und sich auf Frauchen verlassen kann. Überhaupt würde ich bei Leinenagression mir immer erst die Körperhaltung des Menschen angucken und gegebenenfalls erst an dem arbeiten.
Ein Hund liebt Dich immer mehr als sich selber :smile:

Idesiree

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64

Dienstag, 27. Juni 2017, 17:00

Bei Leinenaggression finde ich es wichtig, zuallererst einmal den Ursprung und genauen Verhaltensauslöser zu kennen, nur so kann man auch die Trainingsmethode optimal anpassen...
Es Grüessli Iris mit Venia & Origine

Bello

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65

Dienstag, 27. Juni 2017, 17:06

Ich glaube, dass die Leinenagression und überhaupt die Agression anderen Hunden gegenüber durch diese Schellen- Aktion nur verstärkt wird. So lernt der Hund bestimmt nicht, andere Hunde zu "lesen" und zu verstehen, dass er nicht agieren muss und sich auf Frauchen verlassen kann. Überhaupt würde ich bei Leinenagression mir immer erst die Körperhaltung des Menschen angucken und gegebenenfalls erst an dem arbeiten.


Kommt auf den Hund an, wegen Verstärkung des Verhaltens mit Schellenaktion. Es gibt auch Hunde, die dann verängstigt kuschen. Da kann man dann zwar den Hund kreuzen, aber will ICH einen Hund, der verängstigt kuscht? NEIN, def. nicht.

Da muss der Führer an sich arbeiten, wie so oft im Hundetraining. ;) Denn wenn ich als HH klar und konsequent führe, braucht es gar keine Schellen, wo der Hund drunter "leidet". Meiner Meinung wird zu schnell am Hund rumexperimentiert, anstatt am Halter. Mhmmmmm :nicken:
Liebe Grüsse Isa

Idesiree

Streunerdoggie

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66

Dienstag, 27. Juni 2017, 17:48

Hm, handkehrum kann man nicht jegliches Verhalten, das der Hund zeigt, auf den Hundeführer abwälzen. Hunde haben individuelle Charakterzüge, haben ev. ungünstige Lernerfahrungen gemacht, so dass für eine Leinenaggression oder andere Verhaltensauffälligkeiten nicht unbedingt immer der Hundeführer als Ursprung der Verstärkung hergezogen werden kann...
Es Grüessli Iris mit Venia & Origine

andi+rudel

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67

Dienstag, 27. Juni 2017, 18:37

Leinenagression kann sich auch sehr schnell entwickeln wenn der Hund an der Leine nie eine positive Erfahrung hier mit anderen Hunden gemacht hat...
Niemand möchte ja gerne dass sein angeleinter Hund Kontakt mit anderen bekommt.
Hier können sich schon grosse Defizite entwickeln und der angeleinte Hund kann die Situation mangels Erfahrung nicht einschätzen.
Wir haben immer grossen Wert darauf gelegt dass wir leinenspaziergânge machen bei welchen auch andere angeleinte Hunde dabei sind. Meist kann man innert kurzer Zeit mit wenig Abstand zu einander entspannt laufen.
Das wirkt sich wiederum oft auch positiv auf andere hundebegegnungen zukünftig aus.

Anne

Moderatordoggie

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68

Mittwoch, 28. Juni 2017, 09:48

Danke Anne noch mal für die Erklärung bzgl der Einteilung der "Bestrafung". Du hattest schon mal von diesen Formen gesprochen.
Hast du für ich vielleicht einen Literaturtipp dahingehend?


Hm, ich muss mal schauen, hab den Überblick grad nicht so, in welchen Hundebüchern das wirklich genau und gut erklärt ist. Ist halt eigentlich Grundlagenwissen, das eigentlich aus der Verhaltensforschung/Psychologie kommt.
An sich geht das alles unter Lerntheorie, operante (auch instrumentelle) Konditionierung nach Skinner. Unter diesen Begriffen findet man sehr viel wissenschaftlichen Inhalt im Internet (sehr spannend: Die abergläublischen Tauben). Das ist ja nicht "nur eine Theorie" die auf Hunde mal "erfunden" wurde, sondern eine wissenschaftliche Ansicht aus der Verhaltensforschung bei allen möglichen Tieren (auch beim Mensch) zur Erklärung von Lernprozessen und Verhaltensmustern.

Ich habe hier mal versucht, das Ganze einigermassen kurz und bündig zusammenzufassen: https://mairin.jimdo.com/work/clicker/pawlow-und-skinner/

Edit: Hab grad rasch eine GoogleBooks Search gemacht - ich meine, in Bradshaw's Buch «Dogsense» (weiss grad nicht wie's auf deutsch heisst, gibt's aber übersetzt) ist es erklärt, Kapitel 4.
Sowieso ein absolutes Muss für Hundehalter, dieses Buch ;-)

Und noch ein Edit: Schau sonst auch hier: https://www.hundeherz.ch/fachbeitrag/ler…ein-hund-teil-1
Das wichtigste in 5 Beiträgen.

Und noch ein Edit: Das Buch «Verstärker verstehen» von Viviane Theby.
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Anne« (28. Juni 2017, 10:03)


Vaku

Schnupperdoggie

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69

Mittwoch, 28. Juni 2017, 23:23

Danke Anne!
Habe das Buch "Hundeverhalten" von Bradshaw bestellt und freue mich schon auf den 300 Seiten Schinken.