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Anne

Moderatordoggie

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1

Mittwoch, 11. Mai 2011, 13:51

Designerdogs, Mischlingszucht, Genpool Erweiterung

Ein heikles Thema.
1_(53)
Ich verlasse mich jetzt mal auf das gesunde Diskussionsklima hier im Doggies, weshalb ich es in grösseren, aggressiveren Foren gar nicht erst reinposten werde. Nicht die Köpfe einschlagen, würde mich sehr über eine angeregte, aber sachliche Diskussion dieses spannenden und meiner Meinung nach wichtigen Topics freuen!


Auf der Suche nach einem Fahrrad bin ich mal wieder über diverse Anzeigen für Hundewelpen gestolpert. Darunter viele "Labradoodles", "Flatoodles" und ähnliches , aber auch "Mini-Mini-Chis", "Schmusekampfhunde", und so weiter.
Dass man solche Leute auf keinen Fall unterstützt, die einfach mal zum Spass ein paar Welpen haben und diese dann über Online Verkaufsplattformen, wo man vom Küchenlöffel bis zum Auto alles erwerben kann, verschachern, ist ja klar. Das soll hier auch nicht zu Debatte stehen.

Es löst aber schon auch einen anderen Gedankengang aus.
Der Genpool bei bestehenden Rassen ist bekanntlich klein, und wird immer kleiner. Die Tiere sind immer näher miteinander verwandt, Inzucht ist ein Problem, und daraus resultieren gesundheitliche Probleme. Rezessiv vererbte Gene kommen zum Durchschlag, weil in der Familie übergeordnete dominante Gene fehlen.
Wird im Endeffekt die Rasse durch Rassezucht geschwächt?

Ich sehe deshalb manchmal "Designerdogs", zu denen ich ganz klar auch "Famcollies" und "Wäller" zähle, und frage mich: Machen diese Leute nicht etwas richtig?
Durch die Verpaarung von zwei verschiedenen Rassen wird der Genpool doch unweigerlich wieder vergrössert.
Deshalb denke ich manchmal: wenn jemand eine seriöse Nachforschung zu beiden Rassen anstellt, sich über Krankheiten und Risiken beider Rassen bewusst ist, sorgfältige Auswahl bei den Eltern trifft, mit Berücksichtigung der Gesundheitsresultate und des Pedigrees insbesondere mit Augenmerk auf die Krankheits-Genetik, und die Charakter der Hunde passend zueinander auswählt, soweit man das eben beurteilen kann - sprich, den Job eines seriösen Rassehund-Züchters macht, einfach mit zwei anstatt einer Rasse, wenn beide Elterntiere für ihre Rasse zur Zucht zugelassen sind, und wenn die Welpen dann noch sorgfältig grossgezogen und geprägt werden.. Ist das nicht eigentlich wünschenswert für die Gesundheit unserer besten Freunde? Für den Genpool?

Könnte sogar die kontrollierte und bewusste Einkreuzung einer passenden Rasse in eine andere Rassezucht wünschenswert sein zur Auffrischung?

Dann stellt sich mir noch eine weitere Frage in dem Zusammenhang.
Es betrifft Neurassen wie den Berger Blanc Suisse, oder auch den Alpenhütehund, und meinetwegen auch den Silken Windsprite.
Diese Hunde entstehen ja durch die Kreuzung verschiedener Rassen, oder bewusster Auslese von hauptsächlich Fell- und Farbmerkmalen bei Vertretern einer Ursprungsrasse.
Genau so sind in den letzten circa 200 Jahren die Rassen entstanden, die wir heute als "Rassehund" führen. Ich wage sogar zu behaupten, dass viele der älteren Rassen auf einen noch kleineren Genbestand zurückgehen als "Neurassen" heute, da wir heute durch die Vernetzung der Welt viel mehr Möglichkeiten haben, oder zumindest hätten, mehr Hunde aus verschiedenen Linien in die Zuchtbasis zu nehmen.
Wieso sollte diese bewusste Auslese und Kreation einer Rasse vor 100, 150 Jahren erlaubt gewesen sein, heute aber so verpönt werden? Können wir heute nicht auf ein viel grösseres Wissen zurückgreifen, und viel bewusster und koordinierter an die Sache rangehen?

Ich bin nicht prinzipiell pro Neurassen, oder pro "kontrollierter Mischlingshund" (Designerdogs, aber pfui, ich hasse den Ausdruck, weil er per se schon eine Gruppe Menschen anspricht, die meiner Meinung nach keine Hunde haben sollten), ich bin aber auch nicht prinzipiell dagegen. Ich stehe dem Thema gegenüber sehr kritisch, und die Gedanken, die ich hier aufwerfe, kann und werde ich nicht mit meinem Leben verteidigen - ich denke nur, es sind Gedanken, die man sich vielleicht machen sollte, und ich bin gespannt, was ihr euch so überlegt dazu.

Möchte noch klarstellen:
Ich bin absolut gegen Vermehrer und "Welpen-sind-so-süss!" Hausfrauen, die keine Ahnung von Genetik, Krankheiten, Risiken, Welpenaufzucht und generell Hunden haben, und trotzdem einfach wild drauflos verpaaren - seis fürs Geld, fürs Ego oder für den Jö-Effekt im Wohnzimmer. Ups-Würfen gegenüber bin ich auch sehr vorsichtig und kritisch, obwohl ich sie weniger verteufle als bewusste Vermehrer, denn Unfälle passieren, und ich kenne Ups Hunde, die sehr viel sorgfältiger grossgezogen und vermittelt wurden als der eine oder andere Rassezuchthund.Ich will mit diesem Thema hier absolut gar nicht diskutieren, ob solche "Vermehrer"- und "Jö"-Zuchten vertretbar sind oder nicht. Sie sind es nicht. Ich spreche wirklich von einer überlegten, kontrollierten, hundekundigen Mischlings- und Neurassenzucht. Ups-Würfe können wir sonst sehr gerne auch woanders noch sachlich diskutieren :)

Sorry für den Roman,
und danke, fürs friedlich Bleiben! :peace:
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Admindoggie

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2

Mittwoch, 11. Mai 2011, 13:57

Du, Anne, ich find deine Gedanken toll und echt nachdenkenswert. :thumbsup:

Habe nur gerade keine Zeit, bin nur am Vorbeirauschen. Aber ich finds gut und es hat sicher was! :smile:
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Udi

Sportdoggie

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3

Mittwoch, 11. Mai 2011, 16:16

Ein sehr interessantes Thema und Deine Entscheidung es in diesem Forum zu posten, war sicher nicht die schlechteste. :zwinker:

Fremdeinkreuzung zur Erweiterung eines engen Genpools, zu Verbesserung der gesundheitlichen Situation der Rasse finde ich in Ordnung. Es täte mancher Rasse gut, wie z.B. der Deutschen Dogge. Dort ist der Genpool relativ eng, da man ja nur gewisse Farben miteinander verpaaren darf. Gesunde gleichwertige Hunde, wie z.B. der Grautiger wurden eliminert aus denWürfen. Neu in der Schweiz darf man ja auch z. B. gestromt mit schwarz verpaaren. Wenn man Doggen sieht, die aussehen wie Mastinos, dann frage ich mich immer, wohin das noch alles führen wird.
Bei den Nackthunden darf meines Wissens sich kein Nachkthund mit nem Nackthund verpaaren. Auch die ganzen Krüppel wie Mops, englische Bulldogge, ja auch Dackel, Chihuahua und der ganze Gigantismus und Nanismus gehören dazu.Ich hätte z.B. so gerne eine englische Bulldogge, aber wenn ich mich dann fragen muss, warum so eine reine Seele, so ein toller HUnd in einem so dermassen verkrüppelten Körper hineingeboren wird, dann finde ich, hat die Frage der Fremdeinkreuzung durchaus seine Berechtigung.
Ob es den Labradoodel braucht, oder ein Whippet mit längerem Haar oder ähnliches, kann ich nicht beurteilen, aber sollte es zur Verbesserung der Rasse beitragen, dann finde ich es ok.
Imelda Angehrn hat ja den Schritt zu gesünderen Bulldogge gewagt und auch bei den Retromops lassen sich gute Resultate erziehlen.
Einfach nur Mischlinge ran"züchten" und es als "die neue" Rasse vermarkten finde ich absolut daneben. Schliesslich soll doch die zur verbesseren Rasse ihre geschätzen Charaktereigenschaften nicht verlieren. Meistens haben solche "Hobbyzüchter" keine Ahnung was sie da überhaupt machen.
Wie schwer eigentlich Zucht sein kann, liest man sehr gut im Buch von Imelda Angehrn "Der Englisch Bulldog".
Also für mich ist klar, Fremdeinkreuzung zum Wohl und Erhalt einer Rasse ok, Geldmacherei mit Designerdogs nein.
Gruss Claudia

Akira

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4

Mittwoch, 11. Mai 2011, 21:13

:) :) Also mir kommt es auch so rüber,probieren wir mal eine neue Rasse zum Beispiel den Pudel x Goldi oder Labi dazu noch so schön günstige 1600.- bis 1800.-.Da kommt sich doch manch Züchter blöd vor der sich von A-Z abmüht alles mit guten Wissen und Gewissen macht.Wer sagt denn ob die Modeverpaarung sauber von den Genen ist und wer garantiert dass die Hunde nicht haaren sind ja Mischlinge.Ich persönlich habe nichts gegen züchten aber wenn dann sauber und seriös.Auch Mops und Jackrassel Verpaarung hatte zum Teil nicht das gebracht was man sich erhoffte,der Mops kam nicht mit dem Jackrassel klar vom Wesen das ergab dann einen Wurf recht agresive Hunde(Fernsehbericht) Auch wurde erst gerade kürzlich mitgeteilt dass diese Verpaarungen gar keine Chance bekommen um als eigenständige Rasse anerkannt zu werden.Genauso der Golden mal Setter.Für meinen Begriff haben wir doch so viele Rassen.
Und dort finde ich sollte mal aufgeräumt werden,vorallem nur noch mit gesunden Tieren weiterzüchten.Bei den Bernersennen sind sie endlich soweit wider nur mit gesunden Hunden zu paaren,hoffe ich ganz fest.In meinem Bekanntenkreis sind so viele gestorben.Mich würde sowiso interesieren ob es so was wie eine Datenbank gibt wo Krankheiten wie die verschiedenen Krebsarten festgehalten werden um zu schauen bei wem dise oder jene Krankheit ausgebrochen ist und zum Tode führte.Das würde doch sicher die Züchter auch etwa beruhigen.Der Leonberger ist doch ein Hund bei denen wurde schon vermehrt Knochenkrebs erkannt,mal abgesehen laut Aussage von einem Chirurgen bekommen jeder vierte Hund Knochenkrebs.Das würde doch sicher auch weiter dazu verhelfen um solche Krankheiten zu vermindern.
Ich verstehe nichts von Medizin aber wir haben eine Tierärztin bei uns in der Gruppe,da reden wir schon mal über die Gesundheit usw.
Grüessli Akira und Hannelore
Wehe dem Menschen, wenn auch nur ein Tier beim jüngsten Gericht sitzt!!!

Morgana

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5

Donnerstag, 12. Mai 2011, 20:50

Ich denke mal da hat es was dafür und dagegen. Bei den Designerhunden mit Pudel drin war der Gedanke das Hundeallergiker eher einen Hund halten können, da Pudel ja nicht Haaren und somit sehr für Allergiker tauglich sind. Aber ich bin dagegen, das man Hunde immer kleiner Züchtet, wie Mini Yorkies und bereits mini Chihuahua. Solche Designerhunde sollten aber nicht so überteuert angeboten werden, da bekommt man je nach Rasse ja für weniger Geld einen Reinrassigen Hund. Ich schaue aber nicht ob ein Hund Reinrassig ist oder nicht, ich schaue auf den Charakter und ob es Liebe auf den ersten Blick ist, also ob die Chemie von Hund zu mir und von mir zu Hund stimmt, das ist viel wichtiger als ein Reinrassiger Hund. Auch Mischlinge sind tolle Hunde.


Das liebste auf dieser Welt sind meine Tiere.

Anne

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6

Samstag, 14. Mai 2011, 20:03

Keine weiteren Gedanken dazu?
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7

Sonntag, 15. Mai 2011, 17:22

Meine Gedanken dazu sind kurz und bündig, denn ich finde wir haben schon so viele Mischlinge dass man diese nicht auch noch Züchten müssen.
Ich will damit aber nicht sagen dass ich generel gegen Mischlinge bin. Aber warum diese noch Züchten wenn es schon so manchen "Unfall" gibt.
Laut SKG werden diese ja wohl nie anerkannt werden, und gelten somit ihr Leben lang als Mischlinge.

vierbeiner

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8

Sonntag, 15. Mai 2011, 20:57

Schliesse mich im grossen und ganzen Tämi undeinigen anderen an.
Gerade beim ELO wo Kleine und grosse "Gemischt" werden sehe ich den Sinn nicht. Bobtail,Eurasier und eine Kleine Rasse, weiss im moment gerade nicht welche. Sind doch sehr Verschieden im Charakter.

Beim Eurasier, der Ursprünglich Wolfsspitz/Chowchow war, nahm man wegen zu grosser "Agressivität" (Beide Einmannhunde) den Gutmütigen Samojeden mit Rein. Dies ergab dann eine Rasse welche , jenachdem was "Durchdrückt" ,doch einen Tollen Familienhund. Aber auch da ist die Verwandtschaft bereits recht nahe Beieinander. Das hier zur Blutauffrischung nicht einer der "Grundrassen" zu "Hilfe" genommen wird, ist doch auch Schade.
Bei meiner "Spürt" man den Chow/Spitz schon. Je nach Situation kann sie doch recht Zickig sein. Resp. wenn ein anderer sie Anknurrt, gibt sie Zurück und ich muss sie dann zur Ordnun Rufen was im grossen und ganzen recht gut Klappt.

Der Nackthund ist zwar nicht "mein Fall" allerdings ist diese Rasse doch schon "Alt".

Auch wenn ich so ein Ups-Wurf hatte(Hundesitter sei Dank, liess mich Dummerweise Übereden sie Trotz Läufigkeit an den Tagesplatz zu geben) wo genau das ist was ich nie wollte. Hätte den ganzen Stress nicht Gebraucht, aber halt das Beste aus dieser Situation gemacht. Die Charakteren und Eigenschaften zu weit Auseinander und doch sind die Kleinen ganz Passabel geworden da die jetzigen Besitzer sie auch Entsprechend Beschäftigen. Sei es Agi, Plausch-Parcour, Hundeschule ect.


Es gib Einfach zuviele, die der Meinung sind, jeder Hund/Katze müsste in ihrem Leben mal Kleine haben. Wieviel Arbeit,Zeit,Geld dahinter steckt wird gar nicht Vorher Gesehen.

Bluenote

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9

Sonntag, 15. Mai 2011, 23:23

Aber sind nicht alle Rassehunde eigentlich ursprünglich Mischlinge? Und warum soll die Rassehundezucht fertig sein, es besteht doch auch die Möglichkeit, aus schon bestehenden Rassen neue Rassen zu züchten, dies mit möglichst gesunden, schönen und wesensmässig astreinen Tieren? Jede heute bestehende Rasse ist doch aus verschiedenen anderen Rassen entstanden? Keine Rasse stand plötzlich beim Züchter fixfertig auf der Matte. Jede Rasse trägt andere Rassen in sich, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute sind.

Ich bin auch gegen "jöööö, mein Pudel x Yorkshire würde wunderbar zu Nachbars Malteser x Dackel passen" und ebenso gegen "ooooch, komm, mal so ein Wurf mit meiner Hündin und dem Rüden von der Kollegin wäre doch sicher toll, damit die beiden mal "konnten" und meine will sicher unbedingt Junge".

Aber auf sorgfältiger Basis, ihm Rahmen einer seriösen Zucht, so, wie man auch all die anderen Rassen entstehen lassen hat...wieso nicht? Aber nur, wenn sich jemand genau so aus- und immer wieder weiterbildet wie alle anderen seriösen Züchter auch. Es ist viel, viel Wissen notwendig. Und die nötige Infrastruktur. Und, und, und. Wie bei jedem, der züchten möchte.
Aber wenn all das vorhanden ist...und jemand eine neue Rasse entstehen lassen möchte...was ist daran falscher, als eine Rasse, die vor vielleicht 60 Jahren entstanden ist?

Nicht, dass ich nicht finde, dass wir schon genug Rassen hätten. Eigentlich würde es ja reichen. Aber wenn man unterscheidet zwischen dem Vermehren zu "jööö"- oder Geldzwecken und dem Herausbilden einer neuen Rasse - mit all den Anforderungen, die an eine neue Rasse gestellt werden...warum nicht?

Und was in der Zucht der heutigen Rassen so alles läuft teilweise, find ich auch nicht alles nur gut und teilweise auch ziemlich bedenklich. Siehe Anne's Gedanken zum Genpool, zu Krankheiten u.s.w.

Und die Bezeichnung "Designerhunde" ist so eine typische Erscheinung unserer Zeit. Weil heutzutage alles möglichst "in" und hip und stylisch daherkommen muss, kreuzt man halt mal eben Hund y mit Hund z und hofft, dass irgendwas ganz Schnusiges dabei rauskommt und nennt das dann "Designerhunde" und jeder, der sich für besonders toll und trendy hält, muss dann natürlich sowas haben, zum tollen Haus, den Kindern und dem teuren Auto.
Das sind dann all die "Mini-Mini-Chis" und so, die zu tausenden auf allen möglichen Plattformen verhökert werden.

Und das find ich zum Kotzen.

Mein Fazit: Wahllos vermehren nein, sicher nicht. Ganz bewusst, ernsthaft und mit viel Wissen eine neue Rasse züchten ja, wieso nicht. Und wer diesen ganzen Aufwand und die ganzen Kosten, die laaaaange Zeit, bis eine neue Rasse entstanden ist, auf sich nimmt, der wird seine Hunde auch ganz bestimmt nicht "Designerhunde" nennen.
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TalkingAnimals

unregistriert

10

Donnerstag, 26. Mai 2011, 21:49

Genpool-Erweiterung wäre sicher bei manchen Rassen gut.... jedoch müsste dies - meiner Meinung nach - unter Aufsicht der internationalen Zuchtverbände geschehen. So wie zB beim Continental Bulldog, o.ä.

Beim Sheltie speziell als "meine Rasse" finde ich es kein Thema. Es gibt international genügend nicht verwandte Blutlinien, man kann Hunde aus entfernten Ländern für die Zucht kaufen, die FCI-Papiere haben und dem Standard entsprechen und nicht mit den Linien in der Schweiz verwandt sind.

Jedoch ist es auch beim Sheltie so, dass einige Zuchtrüden sehr oft eingesetzt werden und teilweise recht enge Linienzucht gemacht wird. Das ist meiner Ansicht nach nicht unbedingt förderlich.

Bei Speedy sehe ich, zu was Linienzucht führen kann: er hat einen Gebissfehler, Stehohren und ist zu klein. Meiner Meinung nach war es sicher nicht unerheblich, dass seine Eltern genetisch recht nahe sind.

Anne

Moderatordoggie

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11

Freitag, 27. Mai 2011, 10:22

Vielen Dank, Bluenote, für diese differenzierten Gedanken! :good:

Es soll ja hier nicht darum gehen, die momentan bestehende Situation von wahllosen Verpaarungen, vielen Unfällen, und Wohnzimmer-Jö-Würfen zu rechtfertigen oder irgendwie zu legitimieren. Sondern um die theoretische Überlegung, losgelöst von der tatsächlichen Praxis dieser Tage, was denn so falsch daran ist und ob man nicht auch Gutes erreichen könnte, wenn man die Sache richtig angeht.

Genau wie Angie finde ich, dass eine kontrollierte Einkreuzung anderer Rassen zur Genpoolerweiterung bei einigen Hunderassen durchaus Sinn machen könnte. Natürlich nicht nur bei einem einzigen Züchter ein einziges Mal. Es müsste ein grossgefächertes Programm ausgearbeitet werden, unter der Aufsicht der Zuchtverbände und mit strengsten Kontrollen der Elterntiere und der Nachkommen, damit dieses Projekt überhaupt einen Nutzen hätte. So könnte es unseren Hunderassen wirklich gut tun, denke ich.

Die Neurassenzucht ist sicher ein Thema für sich.
Ich sehs eben wie Bluenote.
Natürlich soll nicht einfach mal drauflos verpaart werden, das finde ich ja auch Blödsinn, aber ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht ganz, wieso die Hundezucht durch Auslese vor 50 bis 100 Jahren noch okay war, und jetzt ist es plötzlich falsch. Im Endeffekt wurden Hunde immer auf ein bestimmtes, differenziertes Ziel hin gezüchtet - Jagd, Schutz, Hüten - und es wurden die Hunde miteinander verpaart, welche die zuverlässige Ausführung dieses Ziels am vielversprechendsten zeigten, sprich, in ihrem Job die besten waren. Auch rasseübergreifend.

Die Ziele haben sich in der heutigen Gesellschaft aber weitestgehend verschoben - der Hund soll je nachdem (und ich übertreibe hier bewusst, Freunde 1_(53) ) ein gemütlicher Familientrottel, ein triebiger Agilityweltmeister, ein führiger Obediencestar sein. Unter den Rassen wird teilweise bereits eine Auslese zu diesem Ziel hin betrieben - wie da teilweise versucht wird, die Arbeitsfreude aus den Labis zu ziehen, die Border Collies möglichst so zu züchten, dass sie ins Medium kommen, weil sie da sichere Gewinnchancen haben, Fakt ist doch, die Auslese findet statt, und die Rassen unterscheiden sich heute massivst von dem, was sie in ihren Anfängen mal war. Massives Beispiel: Langhaar Collie.

Ich frage mich manchmal, was so falsch daran ist, Hunde wieder rasseübergreifend miteinander zu verpaaren, die dem Job, in unserer Gesellschaft begleitfähiger Hund zu sein, am besten gewachsen sind, sprich: das neue Ziel am besten erfüllen. Natürlich nicht einfach mal im Stil von: "Ich glaube, mein superführiger Aussie und dein gemütlicher Labi ergeben die perfekten Familienhund-Nachkommen, lass uns das ausprobieren". Auch hier wäre kontrollierte und überlegte Zucht über mehrere Generationen unabdingbar. Eben, wie Bluenote schreibt, ernsthaft und mit viel Wissen und eben auch Gewissen. Auch hier, ein grossangelegtes Langzeitprojekt.

Übrigens, der ELO ist Eurasier x Bobtail x ChowChow, also keine massiven Grössenunterschiede.
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TalkingAnimals

unregistriert

12

Sonntag, 29. Mai 2011, 13:59

Den ELO wollte ich auch noch nennen, hab den Namen vergessen gehabt :rolleyes: das finde ich zB eine gelungene "Mischlingszucht", genauso wie den Wäller und den Conti Bulldog. Solche Projekte finde ich immer sehr interessant, wie gesagt sollte dies aber unter der Aufsicht von Zuchtverbänden geschehen und nicht einfach "ich züchte mir jetzt mal nen Designerdog, hätte da gleich mal nen Labrador und nen Pudel zuhause und mach mal Labradoodle draus...".

Dass einkreuzen von "Fremdrassen" super sein kann, vor allem bei Arbeitshunden, sah man in Vergangenheit zB beim Beauceron (Einkreuzung von Malinois) oder auch die Zucht von sogenannten "X-Herdern" (Malinois x Holländ. Schäfer), welche als Diensthunde genial sind. Solche kontrollierte Einkreuzung zur Verbesserung von Arbeitseigenschaften - finde ich super!

Vielleicht wäre es bei einigen Rassen angebracht, wie bei einigen schon so gehandhabt, Arbeits- und "Schönheits"-Linien zu führen und den Welpen-Interessenten gezielt auf die eine oder andere Variante zu steuern.

Das Problem ist halt, dass die Vermehrerei immer noch massiven Zuspruch erhält durch Kunden, die Welpen kaufen, weil Geiz halt eben auch beim Tierkauf geil ist.... :wall: das wird wohl nie aussterben, dass Leute möglichst günstig an Tiere kommen wollen.

Das sehe ich sogar bei Pferden - da wollen die Leuten ein Top-Fohlen von Champion-Eltern, bestmöglich aufgezogen, soll schon alles können und optisch was hermachen - aber wenn man dann 15'000 Fr. dafür zahlen soll, geht das Theater los X(

Tabasco

Sportdoggie

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13

Dienstag, 21. Juni 2016, 19:56

Weil Anne diesen Thread im "Warum diese Rasse?"-Thread verlinkt hat, schreibe ich auch noch meine Gedanken zu diesem - in meinen Augen - wichtigen Thema.

Der Mensch hat Jahrhunderte lang Hunde für seinen Gebrauch gezüchtet. Da wurde nicht auf Papiere geschaut und häufig nicht mal auf die Optik. Und dann plötzlich wurden die sogenannten Zuchtbücher geschlossen. Es durfte nur noch mit Hunden gezüchtet werden, die darin aufgeführt waren. Ich verstehe einfach nicht, weshalb dies nötig war. Seit diesem Zeitpunkt nimmt die Genvielfalt kontinuierlich ab. Und wofür?

Den einzigen Nutzten sehe ich für die FCI, die meiner Meinung nach Ähnlichkeiten mit gewissen Weltsportvereinen aufweist.;)

Ich bin also klar für eine verantwortungsvolle Hundezucht auch ausserhalb der FCI. Und dazu dürfen gerne auch Mischlinge gezüchtet werden.

Kailani

Wachdoggie

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Doggie(s): Lotus

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14

Dienstag, 21. Juni 2016, 21:15

Sehr spannendes Thema!

Ich fände Einkreuzungen fremder Rassen bei mittlerweile vielen Rassen sinnvoll und wünschenswert.
Nur bei einigen Arbeitsrassen, die weniger auf Aussehen und mehr auf Funktion und somit auch Gesundheit selektioniert werden, erachte ich dies als nicht sinnvoll.

Mir persönlich sind die Rassestandards total zuwider. Ich finde sie viel zu engstirnig formuliert. Dass gewisse Merkmale wie das Aussehen teilweise über die Gesundheit gestellt werden - das möchte ich nicht unterstützen.
Entsprechend kommen für mich nur ganz wenige Hunderassen in Frage, die ich mir zukünftig vorstellen könnte, beim Züchter zu holen. Deswegen bin ich auch Fan von gewissen (nicht-FCI) Rassen, die eine sehr offene Zucht erlauben und die auch nicht unbedingt ein einheitliches Aussehen anstreben.

Bei Designerrassen sehe ich den Sinn dahinter nicht wirklich - da steht meiner Meinung nach weniger ein interessanter, gesunder Hund im Vordergrund als ein hübsch aussehendes Verkaufsargument mit coolem Namen. Mag nicht auf alle zutreffen, aber hinterlässt bei mir diesen Eindruck...

Alqua

Schnupperdoggie

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15

Donnerstag, 21. Juli 2016, 19:35

Interessante Gedankengänge!

Viele Hunderassen haben definitiv ein Problem mit einem zu engen Genpool (und er wird ja immer noch enger, da nur wenige Tiere der Population zur Zucht eingesetzt werden). Bei vielen Rassen sind auch Tiere die über mehrere Generationen keine gemeinsamen Vorfahren haben und so auf den ersten Blick blutsfremd wirken so nahe verwandt wie Cousin...

In der Nutztier und Pflanzenzucht nutzt man den sogenannten "Heterosis-Effekt" schon lange. D.h. es werden genetisch möglichst einheitliche Linien oder eben Rassen aufgebaut, die dann in der ERSTEN Verpaarung (sogenannte F1 Kreuzung), ihren Eltern bezüglich Wachstum, Vitalität und Gesundheit überlegen sind.

Wichtig ist aber, dass der Effekt nur die F1 Kreuzung betrifft und anschliessend wieder abgeschwächt wird. Auch sind die Nachkommen solcher Mischungen wieder viel uneinheitlicher in Aussehen und Verhalten, es nützt also nicht so viel, mit solchen Mischlingen anschliessend weiterzuzüchten. (Ausser man will sich unbedingt als Gründer einer neuen Rasse einen Namen machen.)

Leider sind zur Zeit anscheinend hauptsächlich die falschen Leute aus den falschen Gründen mit der "Designerhundzucht" beschäftigt, was wohl zu dem extrem schlechten Ruf beigetragen hat. :angry2:

"Designerhundezucht" seriös durchgeführt hat meiner Meinung nach definitiv Potential. Es würde uns ermöglichen, die Vorteile der Rassehundezucht mit den Vorteilen (v.a. erweiterter Genpool) der Mischlinge zu kombinieren. (Ja, und jetzt lyncht mich :k_irre: )

Anne

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16

Freitag, 22. Juli 2016, 12:32

Danke für diesen Beitrag, Alqua! Genau meine Meinung :good:
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